Valentinstag

 


Die Amsel


Da die Nacht mit Laternen noch draußen stand,
Der Schlaf und der Träume glitzender Fächer
Um Haus und Himmel aufgespannt,
Da sang an mein Bett weit über die Dächer,
Da sang vor der Stund', eh' mit bläulicher Hand
Der Morgen sich unter den Sternen durchfand,
Eine Amsel aus Finster und Fernen.
Eh' noch den Laternen das Licht verflacht,
Hat schon die Amsel die Sehnsucht gepackt.
Sie sang von Inbrunst aufgeweckt
Mit dem Herz, daß ihr heiß in der Kehle steckt.
Sie sang von Lieb', die sich aufmacht,
Und durch die schlafenden Mauern lacht.


Max Dauthendey 1867 - 1918



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Sehnsuchtsgedicht: Die Amsel